Madrigalchor

30 jähriges Jubiläum

Jubiläumskonzert Madrigalchor Vollmer Beim Jubiläumskonzert-Wochenende des Madrigalchors Vollmer konnte Vorsitzender Werner Treuer ein Gründungsmitglied begrüßen, das noch heute als aktiver Sänger auf der Bühne steht: Richard Hertner (74) aus Neipperg. 

Der Veteran gab wie alle seine Kolleginnen und -kollegen an beiden Tagen alles, um den Besuchern einen besonderen Hörgenuss zuteil werden zu lassen.  30 Jahre MCV – Dirigent Carl Burger offerierte mit seinem Team einen vielseitigen musikalischen Auszug aus der Vereinsgeschichte. Einziger  Wermutstropfen: Zahlreiche Stühle im Bürgerzentrum Brackenheim blieben leer. Burger, dem in mancher Probe der Kittel brannte, hatte seinem Team ein ambitioniertes Programm auferlegt. „Von der Schöpfung bis in die Neue Welt“ hieß das Motto. Der imposante Einstieg samstags: Teile aus Krönungsmesse, Zauberflöte und Requiem des genialen Mozart. Es folgten die innigen, harmonischen Klänge Mendelssohns mit „Wie der Hirsch schreit“ und die chorischen Höhepunkte aus Haydns Schöpfung. Unterstützt wurden die Zabergäu-Sänger vom Orchester Camerata Juvenalis, das in diesem Jahr ebenfalls sein 30-jähriges Bestehen feiert. Der junge Solist Jerome Huy von der Rheinischen Philharmonie verzauberte das Publikum mit Beethovens schmalziger Violinromanze in F-Dur. Besonders stolz ist Vorsitzender Treuer, dass mit der Première Messe von Charles-Rene Bibard eine Art Uraufführung stattfand. Die lange verschollenen Noten rekonstruierte Pianist Thomas Habermaier (Vaihingen/Enz) und schrieb die Original-Partitur für ein großes Sinfonieorchester. Stolz ist Treuer auch darauf, dass es mit der Brackenheimerin Lilja Urbach eine Sopransängerin aus den eigenen Reihen geschafft hat, schwierige Solopartien überzeugend vorzutragen. Nicht nur Dirigent Burger gerät bei der „unglaublichen silbrigen Naturstimme“ der gebürtigen Wolgograderin ins Schwärmen. Warum der Begründer des Chors, Werner Vollmer, ein ganz besonderes Faible für die Zigeunerlieder und Liebeslieder von Brahms besaß, wurde den Zuhörern zum Auftakt am Sonntag offenkundig: mal temperamentvoll, mal leicht und beschwingt entführte der MCV seine Gäste nach Ungarn und Österreich. Andalusisches Feuer flackerte bei Schumanns spanischem Liederspiel auf. „Come again“, „Abendlied“ und „Der Herr ist mein Hirte“ ließen die Klangfülle und Erhabenheit der weltlichen Madrigale und kirchlichen Motetten lebendig werden.  Tamara Engert, die durchs Programm führte, durfte eine Jubiläumsüberaschung ankündigen: das Klavierkonzert A-Moll (Opus 16) von Grieg, zelebriert von Thomas Habermaier. Scheinbar spielerisch entlockte er dem Flügel die ganze Farbpalette von Läufen und Akkorden.  Der krönende Abschluss – Dvoraks Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ - untermalte das Ballett-Ehepaar Graciela Martinez (Spanien) und Neel Jansen (Belgien) mit einer zauberhaften Choreografie. Während seines New-York-Aufenthaltes hatte sich der tschechische Komponist von der Größe der Metropole, der Weite Amerikas, den Spirituals und Indianertänzen inspirieren lassen. Herausgekommen ist gewaltiges Klanggemälde mit komplizierten Rhythmuswechseln.  Jansen, der Eindringling, und Martinez, die Ureinwohnerin, tanzten filigran eine ganze Reihe von Gefühlen auf die Bühne: Áblehnung, Neugier, Annäherung, Kennenlernen, Zweisamkeit, Trennung. Am Ende hebt er sie hoch und lässt sie wie die Freiheitsstatue über sich thronen – ein versöhnliches, majestätisches Schlussbild, passend zum Finale furioso des großartigen instrumentalen Ensembles. Für Licht und Ton im Bürgerzentrum zeichneten Lisa Burger und William Gardner (Australien) verantwortlich.  Der 1987 von Werner Vollmer aus einem Zusammenschluss mehrerer Gesangvereine entstandene Madrigalchor hat eine weitere hochwertige Aufführung auf die Beine gestellt. Es ist fraglich, ob das auch künftig noch gelingen wird – angesichts leerer Zuschauerplätze und ausbleibender Nachwuchssänger.