Madrigalchor

"Die Schöpfung"

Eine ganz besondere Schöpfung

 

130 Menschen setzen mit Gesang, Sinfonie und Tanz Haydns Meisterwerk in Szene

 

Unendliche Leere. Das Nichts. Wie mag Chormeister Carl Burger dieses tiefe Schwarz füllen?

Eine spannende Frage, die sich viele Besucher zweier Konzerte am Samstag und Sonntag im Brackenheimer Bürgerzentrum stellten. Vor ihnen gähnt die Dunkelheit:

Gott steht vor einem Chaos. 

Streichinstrumente untermalen bei der Ouvertüre herantastend diese Düsternis, bevor ein Paukenschlag den Beginn göttlicher Schaffenskraft verkündet.

Der Schöpfer hantiert mit allerhand Farben: Bunte Kleckse zerplatzen, zerfließen in geschwungene wohlwollende Formen mit warmen Farben, aber auch in gezacktes grün-giftiges Schwarz - eine Projektion wuchtiger Bilder auf einer zehn Meter breiten Operafolie, verwoben mit ausladenden Tonmaterialien, die bis zum Ende des zweiten Parts einen wesentlichen Teil des Konzertes des Güglinger Madrigalchores einnimmt.

Die "Schöpfung" gilt als Krönung Haydns kompositorischer Schaffenskraft. Und dieses Oratorium ist auch der Glanzpunkt dessen, was von Carl Burger, sein Kammerorchester Camerata Juvenalis und der Madrigalchor in den gemeinsamen 14 jahren auf die Bühne gebracht haben.

So viele Register hat der Chorleiter und Kantor noch nie gezogen: professioneller Tanz, Gesang und Sinfoniemusik auf sehr hohem Niveau. Am Ende dieser sehenswerten Darbietung gesteht Burger Atem holend: "Dieses mal sind wir an unsere Grenzen gegangen."

Doch zurück zum Anfang, wo sich der Herrgott abmüht, in sieben Tagen eine perfekte Welt zu schaffen. Haydns "Schöpfung" hat keine dramatische Handlung . Figuren, die eine Geschichte durch Mimik und Gestik erzählen konnten, gibt es nicht.

Die Erzengel Gabriel, Raphael und Uriel erzählen und Kommentieren, wie der Weltenherrscher Tag für Tag neue Ordnung schafft. Der Madrigalchor hat für diese "Rollen" die Profi-Solisten Rita Varga (Sopran), Nikolaus Fluck (Bass)  und Roger Gehrig (Tenor) verpflichtet.

neben Varga ist auch Gehrig treuen Konzertbesuchern aus früheren Projekten des Chores bekannt. Besonders er brilliert durch exakte Intonation und eine klare Artikulation. Der vierstimmige Chor selbst zeichnet sich in einigen monumentalen Passagen mit seinem kräftigen und dennoch in keiner Stimme überzeichneten Klangvolumen aus.

Als himmlische Heerscharen preisen die ganz in weiß gekleidete Sängerinnen und Sänger das Ende eines jeden Schöpfungstages. Auch choreografisch eine Wucht.

Dem Orchester gelingt es im ersten Part, die muntere Schöpferlaune durch flinkes, munteres Saiten- und Flötenspiel zu unterstreichen, Blasmusik- und Schlaginstrumente unterstützen etwa dann, wenn schrecklich umherrollende Donner, feurige Blitze und Urgewalten über die Leinwand flimmert. Lisa Burger hat die Idee, die fehlende Handlung in Haydns Werk durch gewaltige Bilder aufzufangen.

Allerdings fesseln diese den Blick durch ihre faszinierende Schönheit manchmal so stark, dass sie vom Konzertanten ablenken.  Die 25-jährige hat das Know-how vom Auslandsstudium aus den USA mitgebracht, führt in Brackenheim mit einer einfühlsamen, aber klaren Handschrift Regie.

Insekten, die um lockende Blüten tanzen - klangmalerisch schildert das Orchester im zweiten Part das Wunder der entstehenden Natur, des Schöpfers Lust: die Fische, die Vögel, das kriechende Gewürm und schließlich Löwe, Tiger und Hirsch.

Und nun der Mensch: als Krönung der Schöpfung. "Keine andere Form der Kunst stellt Liebe und Anziehung zwischen zwei Menschen so gut dar, wie der Tanz", sagt lisa Burger. Sie verpflichtet zwei Ballett-Profis. Garciela Martinez und Angel Blanco als Eva und Adam anmutig, mal kokett, mal verspielt, mal in sinnlicher Liebe dahinfließend, begleitet von süßem Klang und reiner Harmonie. Auch in diesem dritten Teil sind Schülerinnen von der Tanz AG des Zabergäu-Gymnasiums eingebunden.

Sie haben mit den Profis trainiert - eine besondere Erfahrung. Das findet Werner Treuer , Chef des Zabergäu-Sängerbundes, wichtig: "Weil es zeigt, wie jung´, modern und vielseitig Chormusik ist und welches Spektrum sie in der Darbietung hat."