Madrigalchor

Die Piraten von Penzance

Leidenschaftliche Inszenierung

Operette "Piraten von Penzance" zwei Mal restlos

Ausverkauft

Von Elke Khattab

Der Generalmajor (Götz Thumm) versucht, sich vor dem Piratenkönig

(Philipp Schulz, Zweiter von rechts) und seiner Bande zu schützen.

Bild und Text Heilbronner Stimme, Elke Khattab

Der Applaus ist überwältigend. Immer wieder öffnet sich der Vorhang. Enthusiastisch werden Darsteller und Musiker bejubelt. Mit stehenden Ovationen bringen die Zuschauer im Brackenheimer Bürgerzentrum ihre Begeisterung für eine grandiose Aufführung zum Ausdruck: Die Operette "Die Piraten von Penzance", die am vergangenen Samstag und Sonntag vom Madrigalchor Vollmer gemeinsam mit Solisten und dem Orchester Camerata Juvenalis präsentiert wurde, ist ein voller Erfolg. Das Regiedebüt von Lisa Burger zeigt eindrucksvoll, dass die junge Studentin der Theaterwissenschaften ihr Handwerk versteht.

Es ist einfach paradox: Aus lauter Pflichtgefühl hat Frederic, der durch ein Missverständnis bei den Piraten aufgewachsen ist, jahrelang treu den Seeräubern gedient. Kaum wird er aber im Alter von 21 Jahren aus der Lehre entlassen, will er nun ebenfalls aufgrund seines Pflichtgefühls die ehemalige Bande bekämpfen. Großartig agieren die Darsteller in der irrwitzigen Operette von Gilbert und Sullivan, transportieren die feinsinnig politische Satire über das viktorianische Zeitalter mit rasanten Zungenbrechern, schauspielerischem Talent und markanten Stimmen ins Publikum. Mit glänzenden Auftritten zieht der Protagonist Frederic (Tenor Roger Gehrig) die Zuschauer ebenso in seinen Bann wie die brillante Sopranistin Rita Vargas, die die verliebte Mabel verkörpert. Auch der Piratenkönig (Philipp Schulz), das Kindermädchen Ruth (Zografia Maria Madesi) und der Generalmajor (Götz Thumm) zeigen als Solisten Höchstleistungen. Respekt gebührt den Chormitgliedern, die als Hauptakteure den größten Part der Operette stemmen und von den wunderbaren Stimmen

der Sopranistinnen Lilia Urbach, Patricia Wiggenhauser und Stephanie Heine-Groß unterstützt werden.

"Die Operette ist sehr anspruchsvoll und stellt hohe Ansprüche

an die Sängerinnen und Sänger", erklärt Carl Burger, Dirigent und verantwortlich für die Gesamtleitung. "Sie müssen schaupielern und auf das Orchester reagieren." Dessen Mitglieder hätten schon wesentlich schwerere Stücke gespielt, doch habe die Herausforderung diesmal im wechselnden

Rhythmus gelegen. Aus "missionarischem Eifer" hat Burger die freche Operette auf die Bühne gebracht. "Bis in die 1950er Jahre war das in England bekannte Stück auch hierzulande berühmt. Dann ist es leider in der Versenkung verschwunden", so der Dirigent. Ebenso wie seine Tochter Lisa Burger bevorzuge er das "handwerkliche  Theater", das ohne den Einsatz von Technik auskomme. So ist der jungen Regisseurin mit den Piraten von Penzance eine fulminante Aufführung

gelungen, bis ins Detail durchdacht und leidenschaftlich inszeniert.

"Die Darsteller waren alle hochmotiviert und haben ihre

schauspielerische Leistung in den vergangenen beiden Tagen noch gesteigert", so Lisa Burger, die sich über die zwei Mal ausverkauften Aufführungen mit je 500 Zuschauern hoch zufrieden zeigt. Auch Werner Treuer, Leiter des Magrigalchors Vollmer und Chef des Zabergäu-Sängerbundes, freut sich: "Es war ein aufwendiges und kostspieliges Unterfangen. Die Begeisterung des Publikums ist der schönste Lohn für unsere Arbeit."